Projekte

Bleßberghöhle

Westteil der Höhle

Im Frühjahr 2008 wurde beim Vortrieb des Bleßbergtunnels ein natürlicher Hohlraum von mehreren Dutzend Kubikmetern Größe angefahren. Der Tunnel gehört zur ICE- Neubaustrecke der DB von Erfurt nach Nürnberg.

Die Höhle wurde als Hindernis für den Fortgang der Bauarbeiten betrachtet und sollte gemäß Richtlinie der DB mit Beton verfüllt werden.

Dies misslang, da der Beton in tiefer gelegene, vorab nicht in Augenschein genommene Hohlräume versackte.
Daraufhin wurden  Forscher des THV über die Entdeckung informiert und bekamen für wenige Stunden die Möglichkeit, eine erste Untersuchung vorzunehmen. Das Ergebnis dieser kurzen Erkundung übertraf alle Erwartungen.

Es wurden mehrere Hundert Meter Gänge mit zumeist 2 bis 5 Metern Breite und bis zu 20 Metern Höhe angetroffen, die in vielen Bereichen durch unglaublich schönen Tropfsteinschmuck gekennzeichnet sind. Die heute bekannte Gesamtlänge der Höhle beträgt etwa 1.200 Meter.

In der Höhle gibt es einen Bach. Dieser war bei unserem Eintreffen bereits zu einem 75 m langen See angestaut. Als Ursache des Anstaus kann der Beton gelten, welcher bei dem Versuch, die Höhle zu verfüllen, vom Tunnel aus in die Höhle eingebracht worden war.

Die Höhle wurde durch den Bahntunnel in einen östlichen und einen westlichen Abschnitt geteilt. Der Ostteil wurde erst einige Tage nach dem westlichen Teil angefahren. Dieser Anschnitt weist kleinere Räume als der Westteil auf, ist aber noch intensiver versintert. Die Gangpassagen sind streckenweise komplett mit Sinter bedeckt. Einige Stellen sind durch Sinterwälle und -gardinen stark verengt.

Der Ostteil der Höhle wurde Ende 2008 durch einen Betonriegel verschlossen und ist nicht mehr zugänglich. Vor dem endgültigen Verschluss wurden einzelne markante Tropfsteine aus dem Ostteil zu wissenschaftlichen Zwecken und zur Verwendung in öffentlichen Ausstellungen geborgen.

Ostteil der Höhle

Westteil_Suedgang der Höhle

Im Januar 2009 bestand für einen Zeitraum von 10 Tagen erneut die Möglichkeit, den westlichen Teil der Höhle zu untersuchen und zu dokumentieren. Dabei wurden durch den THV in teils mehrschichtiger Arbeit

  • der bekannte Teil der Höhle vermessen und fotografisch erfasst
  • ein Tracerversuch zur Klärung hydraulischer Verbindungen im Anstrom der Höhlen durchgeführt
  • biospeleologische Untersuchungen realisiert
  • Filmaufnahmen öffentlicher und privater Auftraggeber unterstützt und nicht zuletzt
  • mehrere hundert Meter Neuland in westlicher Richtung entdeckt und dokumentiert.

Die neu entdeckten Bereiche waren nur durcheine sehr enge Passage zu erreichen. Dahinter wurden Galerien mit sensationellem Sinterschmuck angetroffen.

Ende Januar 2009 wurde auch der Zugang zum westlichen Teil der Höhle tunnelseits dauerhaft mit Beton verschlossen.

Im Frühjahr 2012 wurde durch den THV ein Forschungszugang geschaffen. Über diesen sind Befahrungen der Höhle ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken im Rahmen klar definierter Zielstellungen möglich. Aktuell werden Projekte verfolgt zur

  • Untersuchung des karsthydrologischen Regimes
  • Paläoklima (in Kooperation mit GFZ Potsdam und ETH Zürich)
  • Weiterführung der Erforschung der Raumdimensionen einschließlich der unter Wasser liegenden Teile
  • mikrobiologische Untersuchungen
  • Untersuchungen zu biogenen Speleothemen(sog. pool fingers).

Westteil_Suedgang1 der Höhle